Hude - Es sind keine schönen Themen, mit denen sich die Vorsitzenden des Huder Landfrauenvereins auseinandersetzen müssen – und das schon seit mehreren Jahren. Es fehlen junge Mitglieder, die bereit sind, sich im Vorstand zu engagieren. „Mit dem Verein sind auch die Mitglieder älter geworden“, sagt Anke Tönjes, die seit rund 20 Jahren im Vorstand ist. In diesem Jahr hat der Vorstand noch eine Schonfrist gesetzt. Doch wenn sich bis zur nächsten Jahreshauptversammlung kein neues Vorstandsmitglied finden lässt, droht die Auflösung nach mehr als 35 Jahren.
Großteil ist über 70
Aktuell besteht der Vorstand mit Fenja Butz, Lydia Blankemeyer und Anke Tönjes noch aus drei Frauen. Doch das wird nicht so bleiben. Butz sei beruflich eingespannt, sodass sie im kommenden Jahr voraussichtlich nicht mehr Teil des Vorstands sein wird, erklärt Tönjes. Auch Tönjes selbst hat eigentlich vor, nach zwei Jahrzehnten und im Alter von 65 Jahren, zurückzutreten. Blankemeyer wäre dann die einzige Vorsitzende. „Das lässt unsere Satzung aber allein schon nicht zu“, sagt sie. Denn festgelegt ist, dass die Huder Landfrauen einen Teamvorstand aus drei bis fünf Frauen bilden. „Mit drei Frauen erreichen wir ja gerade einmal die Mindestbesetzung“, so Blankemeyer.
Zwar zählt der Verein noch rund 150 Mitglieder, doch der Großteil von ihnen ist mittlerweile jenseits der 70. „Es fehlen einfach Frauen im mittleren Alter“, sagt die 55-jährige Blankemeyer.
Gründe, warum kaum neue Mitglieder nachkommen, vermuten die Frauen einerseits darin, dass der Alltag mit Beruf und Familie bereits so fordernd sei, dass sich Frauen nicht in einem Verein „verpflichten“ möchten. Vielen sei andererseits nicht bewusst, dass sich der Verein an alle Frauen richtet und ein landwirtschaftlicher Betrieb keine Voraussetzung ist.
Kein generelles Problem
Ähnlich wie den Huderinnen geht es auch anderen Landfrauenvereinen in Niedersachsen, sagt Elisabeth Brunkhorst, Präsidentin des Niedersächsischen Landfrauenverbands Hannover. Im Bundesvergleich positiv aufgestellt seien zwar die Netzwerke der jungen Landfrauen in niedersächsischen Kreisverbänden, die sich an Frauen zwischen 20 und 40 Jahren richten. Doch die eigentlichen Landfrauenvereine treffe dann der demografische Wandel, so Brunkhorst. Sie beobachtet zudem, dass Frauen vermehrt nicht mehr allein Verantwortung übernehmen möchten. Die Arbeit in einem Teamvorstand könnten sie sich hingegen eher vorstellen.
Von einem generellen Problem in Niedersachsen sei aber nicht zu sprechen. „Wir haben eine gute Mischung“, sagt sie. Denn es gebe auch Vereine, in denen Mitgliederschwund kein Thema sei und auch jüngere, engagierte Frauen nachkommen. Der Landesverband bietet zudem verschiedene Workshops an, um die Vereinsarbeit zukunftsgerichtet zu führen. Es liege jedoch an den Vereinen selbst, diese Angebote wahrzunehmen, so die Präsidentin.

